Montag, 1. Juni 2015

439) Eremo delle Carceri


Die Einseidelei (eremo) des Heiligen Franziskus liegt im dichten Eichenwald am Monte Subasio. In einigen Kehren auf der SP 251 und auf (abkürzenden) Wanderwegen führt der Weg von Assisi hinauf zur Klause.





Die Einsiedelei ist heute fast parkartig gestaltet. Eine gibt eine kleine Abtei, Grotten, Bet- und Predigtplätze. 




Dort, wo heute die kleine Franziskanerabtei zu sehen ist, gab es schon vor der Zeit des Franz von Assisi ein kleines
dOratorium, das den Bendeiktinern gehörte. Es war er "Maria delle Carceri" gewidmet. Hierhin zogen sich Franz und seine Gefährten an 1205 zum Gebet zurück. Wahrscheinlich erhielt Franziskus um 1215 die Kapelle und Örtlichkeit von den Bendediktinern geschenkt, zur selben Zeit, als sie ihm auch die Portiuncula im Tal unterhalb von Assisi übergaben. Franziskus kehrte auch in späteren Jahren immer wieder an diesen Ort zum Beten und zur Meditation zurück.

Unweit der Abtei führt eine Brücke über den schluchtbildenden Bach. Hier steht der Baum, auf dem die Vögel gesessen haben sollten, als Franz von Assisi zu ihnen predigte.



Besonders erwähnen möchte ich hier vier Skulpturen, die heute in der Einsiedelei zu sehen sind. Beim Eingang: Franz von Assisi (Alessandro Romano)




Bei der Brücke: Franz und seine Gefährten (Fiorenzo Bacci)





Franz: am Boden liegend
Leo: in den Himmel weisend
Silvestro: am Boden kniend

PS: Noch einen Hinweis zum Namen der Einsiedelei: Eremo delle carceri.

"Carceri" heissen nicht nur die Zurückgezogenen, sondern auch die Gefangenen. Maria, die Mutter Jesus von Nazareth wird u.a. auch als Erlöserin der Gefangenen verehrt.
Das Oratorium, zu dem Franz sich zum Beten zurückzog, war der "Maria delle Carceri" gewidmet.
"Carceri" ist im Zusammenhang mit der Einsiedelei somit (für mich) nicht ganz eindeutig bestimmt. Geht "carceri" auf die Gefangenen der Maria oder auf das Zurückziehen betender Brüder zurück?


Nachtrag 27.02.2018

Heute entnahm ich der Fotodatei dieses Beitrages das Wort des Tages.




Parola del giorno: la croce
Wort des Tages: das Kreuz

Eremeo delle Carceri, Assisi, 30.05.2015


Ergänzungen:







Von Mahatma Gandhi wird berichtet, dass er an einem Sonntag die Marianhiller Missionare besuchte. Nach dem Mittagessen ging er mit einem Pater über den Klosterhof. Sie kamen an einem Kreuz vorbei. Gandhi blieb stehen, faltete die Hände und machte eine tiefe Verneigung. Er betete still. Dann sagte er:„Pater, dieses Zeichen verbindet uns alle: Asiaten, Afrikaner, Amerikaner und Europäer. Dieses Zeichen ist das Zeichen des Friedens.“





Frieden ist das höchste Ziel, das wir auf dieser Erde anstreben können. Das höchste Gebot, das uns dieses Ziel vorgibt, ist jenes der Menschlichkeit. Diese kommt nicht aus ohne Achtung, Wertschätzung, Anerkennung und Offenheit.



Das Kreuz ist somit auch das Zeichen für  Achtung, Wertschätzung, Anerkennung und Offenheit.


Wie archäologische Funde bewiesen, war das Kreuz als Kultgegenstand schon in der Steinzeit bekannt. Auch in christliche Kreuzen ist die uralte Symbolik des Treffpunktes noch auszumachen.





Man trifft Wandersleute (Wegkreuz), Trauernde (Kreuz auf dem Friedhof), Betende (Kirche), Staunende (Gipfelkreuz) und nicht zuletzt und ganz alleine sich selbst beim Kreuz.

Es versinnbildlicht Menschlichkeit und Treffpunkt. Wo Menschlichkeit gelebt wird (horizontaler Balken), da rücken "Himmel und Erde" zusammen (vertikaler Balken).

Adaptiert auf das Kreuzzeichen der Katholiken: Der vertikale Balken symbolisiert die Beziehung zwischen etwas Absolutem (Idee des Guten, Wahren und Schönen, Gott, oberste Prinzipien) und dem Menschen, der horizonale Balken das, dass diese Beziehung gelebt wird.



Das Kruzifix (Kreuz mit dem gekreuzigten Jesus) wird oft als Symbol der Opferbereitschaft oder als jenes einer grausamen Religion dargestellt.

Das Kruzifix stellt tatsächlich Unmenschlichkeit, Ungerechtigkeit, Verachtung, Grausamkeit und Gewalt dar.

Dieses aber sind nicht die Tugenden, die das Christentum befördert. Das sind die Untugenden jener, die sich der Religion bemächtigen und diese zu ihren Vorteilen instrumentalisieren.


Das Kruzifix kann somit als eine Art Mahnmal gesehen werden.

Es erinnert daran, dass Unmenschlichkeit, Verurteilung, Ungerechtigkeit, Verachtung, Grausamkeit und Gewalt immer im Zusammenhang mit Macht stehen.

Ein andere und neue Wege wären: 
Achtung, Wertschätzung, Anerkennung und Offenheit.

Das Kreuz steht somit auch für das gemeinsame Suchen nach neuen Wegen.




Solche neuen Wege begingen Jesus und Franz von Assisi. Das Taukreuz ist  das Vermächtnis Franz von Assisis und zugleich sein Auftrag
  „unseres Herrn Jesu Christi Lehre und Fussspuren zu folgen“.

Barbara


PS: Ich frage mich, was jene Menschen tatsächlich wollen, die fordern, Kreuze aus bestimmten (italienischen) Schulzimmern, von Bergen und aus der Schweizer Fahne zu entfernen.