Samstag, 8. Februar 2014

371) Friedhof Catania


Wenn man Kultur erfahren will, Kunst, Architektur und Natur in Harmonie erleben, dann gibt es in jeder italienischen Stadt und in jedem Dorf einen Ort, wo dies möglich ist. Die Friedhöfe sind nicht Orte des Gedenkens, hier kann auch kulturelle Eigenart erlebt werden.


Ein Friedhof ist einer der wenigen Orte, wo man gleichzeitig mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft konfrontiert wird. Man gedenkt nicht nur der Verstorbenen,




man setzt sich auch mit seiner eigenen Endlichkeit  auseinander. Vielleicht ist gerade das der Grund, weshalb viele Menschen Friedhöfe nicht allzu sehr mögen. Dieses persönliche Nicht-Mögen wird von unserer Gesellschaft unterstützt, denn alles, was mit Alter oder Tod zu tun hat, ist unschön und wird verdrängt.

Nun ist aber der Tod ein Bestandteil des Lebens und das Umgehen mit dem Tod ein Bereich der Kultur einer Gesellschaft. 



Bei uns in der Schweiz hält in allen anderen Lebensbereichen der Individualismus Einzug, so auch bei der letzten Ruhestätte. Diese muss sich keineswegs mehr auf einem Friedhof befinden. Feuer, Wasser, Erde oder Luft wird dem einzelnen Individuum überlassen. Auch die Art des Rituals der Verabschiedung des Toten ist an keine Regel mehr gebunden.



Im Moment ist es wohl bei uns so, dass die Kremation und die stille Abdankung im engsten Familien- und Freundeskreis auf einem Friedhof bevorzugt wird.

Anders in Italien. Es gibt kaum Kremationen und die Abdankung ist oft eine "grosse Sache". Auf den Friedhöfen gibt es viele Familiengräber, die, je nach Besitzstand der Familien, ganze Kapellen sein können.





Die Toten werden in den meisten Fällen nicht kremiert. Einer der Gründe liegt wohl im darin, dass die katholische Kirche erst im Jahre 1963 die Einäscherung offiziell anerkannt hat. Ein anderer Grund aber ist, dass eine Kremierung fast unbezahlbar ist. So müsste beispielsweise ein Leichnam aus Catania ins Krematorium nach Neapel transportiert, eingeäschert und wieder nach Catania zurückgebracht werden. Die ganze Sache würde 12 000 Euro kosten - eine zu kostspielige Angelegenheit für die meisten Menschen hier.

Die Bestattung in einem Familiengrab kommt auf etwa 4000 Euro zu stehen.


Hat man kein solches zur Verfügung, dann kann man sich eine Grabkammer in einem der zahlreichen geschlossenen Kolumbarien (Haus der Särge) mieten. Eine solche kostet etwa 3000 Euro.

Die armen Leute kommen in eines der offenen Kolumbarien (Wand der Särge). 



 
Bei allen Formen - von den billigsten zu den teuersten - wird der Leichnam in einem Holzsarg mit integrierter Zinkwanne und Aktivkohlefilter oberirdisch bestattet. Die jeweilige Grabkammer wird mit einer Steinplatte verschlossen.



Trotz der Einheitlichkeit der Bestattung herrscht auf dem Friedhof eher "Chaos" denn "Odnung". Grosse Gräber befinden sich neben kleinen und Kapellen neben Kolumbarien. Engelsfiguren sind zwar als Grabschmuck vorherrschend, wir konnten aber auch andere Figuren finden.



 





Der Friedhof von Catania liegt etwas erhöht und ausserhalb des Stadtzentrums- Man kann auf der einen Seite aufs Meer und auf der anderen Seite zum Ätna sehen.




Ein wunderbarer Ort, ein Ort der Stille und der Besinnung, aber auch ein Ort der Begegnung - mit den Lebenden und den Toten.

Barbara